Welcome to Williston – Letzte Hoffnung Ölboom

Ende des 19. Jahrhunderts war es das Gold, das Abenteurer und Tagelöhner dazu brachte, Hals über Kopf nach Kanada und Alaska zu ziehen. Heute lockt das Öl in den US-Bundesstaat North Dakota. In rund 3000 Metern Tiefe hält dort ein Teil des Bakken-Ölfelds laut wissenschaftlichen Schätzungen bis zu 24 Millionen Barrel Öl bereit. Durch den Druck steigender Rohstoffpreise und durch die Abhängigkeit von Öl aus dem Ausland, hat diese inländische Ressource für die Vereinigten Staaten erheblich an Relevanz gewonnen. Bereits 7000 Bohrstellen und Förderanlagen sind im Westen North Dakotas registriert, weitere 4000 sollen in absehbarer Zeit hinzukommen.

Mitten in der Prärie im Städtchen Williston mit 14.000 Einwohnern liegt das Zentrum des Ölbooms. Ohne entsprechende Ausbildung aber mit dem festen Glauben an den amerikanischen Traum, haben sich Tausende dorthin auf den Weg gemacht – die Wirtschaftskrise im Nacken. Viele von ihnen haben ihre Häuser, Jobs und Familien zurückgelassen. Die vage Hoffnung, im Ölfeld reich zu werden und ein neues Leben beginnen zu können zerbricht, sobald sie merken, dass sie zu spät gekommen sind. Denn die Jobs im Ölgeschäft sind mittlerweile rar. Eine gewöhnliche, schlecht bezahlte Arbeit in Williston zu finden ist zwar nicht schwer, aber die Hotels und Pensionen, wo man unterkommen könnte, sind auf Jahre ausgebucht und selbst mit dreifachem Mindestlohn unbezahlbar. So wohnen viele monatelang in ihren Autos, Zelten oder schlafen in der Kirche. Während die Hoffnung, doch noch von der Ölindustrie angeheuert zu werden, immer weiter schwindet.

Die Reportage ist die Abschlussarbeit meines Studiums an der HS Hannover.


Stern Nr. 49 / 2012

01_voe_williston02_voe_williston03_voe_williston   04_voe_williston05_voe_williston
06_voe_williston


P.M. Nr. 04 / 2015

07_voe_williston


Stern Nr. 06 / 2016

 


Die Zeit Nr. 10 / 2016

 

Mai - September 2012 Reportage & Essay